AKTUELL - Februar 2006
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Europäischer Frühschoppen Leverkusen 12.03.2006
„Die Integration
der Marokkaner / Muslime in Deutschland“
- Illusion oder realistische Perspektive ? -
Wer
am schon traditionellen Europäischen Frühschoppen des Kreisverbandes
der Europa-Union Leverkusen - auch dieses Mal zusammen mit dem Integrationsrat
und der Volkshochschule Leverkusen - beim Marokkanischen Eltern- und
Jugendverein Leverkusen am 12.03.2006 nicht dabei war, hat wirklich
etwas verpasst.
Die Veranstalter, Dr. Hans Georg Meyer (Vorsitzender des Kreisverbandes Leverkusen der Europa Union) , Jannis Goudulakis (Vorsitzender des Integrationsrats Leverkusen) und Hausherr Hassan Essabbabi (Vorsitzender des Marokkanischen Eltern- und Jugendvereins Leverkusen) konnten mit Elhosseine Taytay einen exzellenten Referenten und dazu eine illustre Auswahl an Ehrengästen vor „vollem Haus“ begrüßen. Leverkusens Oberbürgermeister Ernst Küchler, der Marokkanische General-Konsul Zoubair Hakam, und Hassan Essabbabi unterstrichen kurz und prägnant in ihren Statements die Bedeutung der Integration, die Probleme und die Lösungsansätze, und das vor allem auf der örtlichen Ebene.
Umfassend,
interessant und leidenschaftlich, aber durchaus neutral, schilderte der in Frankfurt
engagiert praktizierende Wissenschaftler Elhosseine Taytay
die verschiedenen Facetten der marokkanisch - muslemischen Kultur in Marokko
selbst und besonders in Deutschland. Dr. Hans Georg Meyer (mit
anwesendem marokkanischem Schwiegersohn) berichtete von einem beispielhaften
Zeichen marokkanischer Toleranz: In der Nähe von Rabbat stehen auf dem
dortigen Campus eine Moschee, eine Synagoge und eine christliche Kirche in friedlicher
Koexistenz nebeneinander.
Das
wichtigste Fazit nach dem Referat, den zusätzlichen Anmerkungen von Karl
Weber (Mitbegründer und Vorsitzender der Deutsch Marokkanischen
Paritätischen Gesellschaft DMPG seit 2000), nach zahlreichen Wortbeiträgen
und Rückfragen und nach lebhafter Diskussion (auch beim abschließenden
gemeinsamen Imbiss):
Bedauerlicherweise sind die marokkanischen, muslimischen MitbürgerInnen in Deutschland ( insgesamt rund 3,5 Mio Muslime, rund 100.000 Marokkaner in über 100 unterschiedlichen Vereinen, rund 1.000 Marokkaner in Leverkusen davon rund 50% mit deutschem Pass ) nicht so organisiert und ansprechbar, wie es bei einem vorhandenen Dachverband der Fall wäre. Deshalb gibt es kaum wissenschaftliche Erkenntnisse über sie. Die Integration schon der Jugendlichen gestaltet sich aus kulturellen Differenzen relativ schwierig.
Dass
Nicht-EU-Migranten kein aktives oder passives Wahlrecht auf kommunaler Ebene
besitzen, scheint ein großer Hemmschuh zu sein.
Im Gegensatz zur allgemeinen Meinung: Die Stellung der marokkanischen Frauen
hat seit den letzten Jahren einen deutlichen Wandel erfahren: Immerhin gibt
es zur Zeit in Marokko 34 weibliche Parlamentsabgeordnete, 4 Ministerien werden
von Frauen geleitet. Für die künftige Entwicklung in Deutschland allgemein
und für die Integration im Besonderen formulierte Karl Weber sinngemäß:
Grenzen wir die Frauen nicht aus, lassen wir sie sich mit uns auch politisch
engagieren. Sie können´s ja auch.
Eine Integration ist nur möglich bei Bewahrung der Identität unter Berücksichtigung der gesetzlichen und kulturellen Vorgaben des Gastlandes. Das erfordert nicht Quer- oder Parallel-Entwicklungen sondern gemeinsames Handeln!
Und noch ein...
Hinweis auf das Europa-Fest mit OB Ernst Küchler als Schirmherr
am 11. Juni 2006: Das Europa-Fest beginnt wie gewohnt mit einem gemeinschaftlichen
Gottesdienst mit katholischen, evangelischen, orthodoxen, muslemischen und jüdischen
Geistlichen im Spiegelsaal von Schloss Morsbroich. Thema diesmal:
„Turmbau zu Babel“. Anschließend ein farbenfrohes, internationales Programm
im Schlosspark.
Mehr zum Kreisverband Leverkusen der Europa-Union Deutschland bei Dr. Hans Georg Meyer , zum Integrationsbeirat der Stadt Leverkusen bei Jannis Goudoulakis und zur Akademischen Beratungsstelle ( siehe oben ) bei Elhosseine Taytay.
Dr. Jürgen Althaus
Bildnachweis
Nr. 1 Hassan Essabbabi
Nr. 2 Zuschauer / Zuhörer
Nr. 3 Karl Weber
Nr. 4 v.l.n.r. Dr. Hakam, OB Küchler, Goudulakis, Taytay, Dr. Meyer
(Bilder Dr. Jürgen Althaus)