Münster: Historische Unterlagen zur Stadtgeschichte

Bedingt besonders durch zahlreiche Kriege, mangelnden Archivierungen, Bücherverbren-nungen während der Täuferzeit sind nur wenige zusammenhängende Unterlagen vorhan-den, die die Entwicklung der Stadt Münster von den ersten Besiedlungen rd. 3.000 Jahren v.Chr. bis zum Ende des 2. Weltkrieges bezeugen könnten. Erst in den letzten Jahrzehnten haben Archäologen im Rahmen von Neu- und Umbauten entscheidende repräsentative Funde entdeckt, den verschiedenen Epochen zugeordnet und katalogisiert.
Im Vorfeld der Feiern zum 1.200 jährigen Stadtjubiläums 1993 hatte der Stadtrat nach einigen Querelen und kontroversen Diskussionen schon 1984/85 sich dazu durchge-rungen, ein Gesamtdarstellung der Stadtgeschichte, in dem er die Öffnung des Stadtarchivs zu fachwissenschaftlichen Untersuchungen mit dem Anspruch an eine seriöse Stadtge-schichtsforschung und -schreibung freigab. Zahlreiche renommierte Wissenschaftler mit dem verantwortlichen Stadtarchiv-Leiters und Herausgeber Franz-Josef Jakobi an der Spitze wirkten intensiv am 3-bändigen Gesamtwerk „Geschichte der Stadt Münster“ mit, das rechtzeitig 1993 präsentiert werden konnte. Die dortigen Angaben und Informationen und die entsprechende schulische persönliche „Heimatkunde“ sind Grundlage der im Refe-rat dargestellten Ausführungen von Dr. Jürgen Althaus.

Wesentliche Bezeichnungen

Der Name Münster kommt übrigens von der römischen Bezeichnung „Monasterium“, das sich aus „Mimigernaford“ , der bis in das 11. Jahrhundert bestehenden Bezeichnung einer Ansiedlung von Mimigernern, an der Aa-Furt entwickelte, einer Durchfahrtstelle an der Aa, die heute teilweise noch sichtbar durch Münsters Altstadt fließt.

Die Herkunft der Bezeichnung „Westfalen“ ist bis heute unklar:
- im indogermanischen Sprachraum für gepflügtes Land, Brachland, breit und flach, fahl, grau, flachsfarben, vor allem im Zusammenhang der Haarfarbe.
- im römischen Sprachgebrauch für Flachmänner als Bewohner der Ebene.

Der Begriff „Gau Westfalen“ ist keine Bezeichnung der Neuzeit, sondern bedeutet, aus dem Angelsächsischen ( dragan = tragen ) entlehnt, eine wasserreiche fruchtbare und er-tragreiche Siedlungslandschaft. Der Dreingau ist also einem größeren Gebiet zwischen den Punkten Greven, Telgte, Warendorf, Amelsbüren, Gievenbeck, Altenberge, Oelde, Lies-born, Beckum, Aalen, Werne, Selm, Nordkirchen und Ascheberg.

Missionierung und Stadtgründung Münsters

Das Münstersche Stadtgebiet war eh und je ein herausragender Siedlungsplatz in der westfälischen Bucht an der Aa: kleinere Feuerstein-Werkzeuge ( mittlere Steinzeit 8.000 bis 3.000 Jahre v. Chr.) und frühbronzene Flintdolche, bei Handorf und St. Mauritz gefun-den weisen bis zur späten Steinzeit ( bis 1.700 v.Chr. ) auf Siedlungen hin, deren spätere Spuren auf dem Hügel an der Aa ( 700-300 Jahre v.Chr. ) nachgewiesen werden konnten, später Altsächsische und Karolinger Zeitfunde bei Ausgrabungen auf dem Domhof und bei Warendorf.

Der spätere Heilige St. Liudger, wahrscheinlich 746/47 n.Chr. in Utrecht/Friesland gebo-ren, lernte als Bonifatius-Schüler im Konvent St. Martin/Utrecht, geleitet vom Abt Gregor, studierte 769 bis 772 in York/England, avancierte zum Diakon, wurde wegen politischer Zwistigkeiten zwischen den Friesen und der Stadt York zwangsexmatrikuliert, kehrte nach Friesland zurück und wurde schließlich 777 in Köln zum Priester geweiht. Den kaiserlichen Missionsauftrag in der Tasche, traf Liudger 793 auf dem Aa-Hügel ein und baute als erstes eine Konventkirche - also keine Domkirche -, die dem Apostel Paulus geweiht wurde. In unmittelbarer Nähe wurde 805 eine zweite Kirche, die Marienkathedrale als Bischofskirche gebaut. Ohne ersichtlichen Grund wurden die Zwecke dieser beiden Kirchen gewechselt: die Marienkirche, nur noch „Alter Dom“ genannt, beherbergte von nun an nur noch ein Or-densstift und wurde ersatzlos 1377 abgebrochen. So gab es nur eine Missionskirche, die Pauluskirche.
Erst März 805 nach Abschluss der über 30 Jahre währenden Sachsenkriege ließ sich Liudger von Kaiser Karl und dem Kölner Erzbischof überreden, die bisherigen westfä-lisch-friesischen Missionsbezirke in ein Bistum umzuwandeln und als geweih-ter Diözesan das Bistum Münster zu übernehmen. In diese Zeit fällt die Notiz über die Gründung einer Civitas, des Monasteriums in Mimigernaford. Liudger starb in Billerbeck und wurde 809 im Doppelkloster Werden/Münster beerdigt.

Stadtwerdung

Die eigentliche Stadtwerdung von Münster bleibt vom 9. bis zum 11. Jahrhundert im Dun-keln, da die überlieferten Urkunden und Schriften, zum Teil sehr bedenklich, äußerst lü-ckenhaft vorhanden sind oder beim Brand 1121 den Flammen zum Opfer fielen.

Urkundlich sind schon im Jahr 889 auf der Domburg insgesamt 53 Kleriker erwähnt, Das Domkapitel zählte damals 12 Domkleriker mit einem Probst an der Spitze. Erst im 11. Jahr-hundert gibt es einen Dekan, dem geistlichen Leiter des Dom-Klerus, einen Scholaster als Leiter der Domschule und einen Kustos, der für die Liturgie, den Domschatz , die liturgi-schen Geräte und Kirchengebäude zuständig war.

Auf den aufstrebenden Markt- und Handelsplatz Münster und den auch internationalen Handel im 11. Jahrhundert weisen die in Schweden gefundenen münsterschen Kupfer-Pfennige hin. Die in der 1. Hälfte des 11. Jahrhunderts erbaute St. Ludgeri-Kirche war gleichzeitig Stadt- und Marktkirche. 1040 wurde die Überwasserkirche als Stiftskirche am westlichen Ufer der Aa gebaut.

Nach der Brandkatastrophe 1121 erholte sich Münster in der Stadt- und Markt-Entwicklung nur langsam:Interessant ist, daß fast gleichzeitig Lippstadt gegründet wurde. Die Stadt wur-de mit einem Befestigungswall und –mauern insgesamt 10 Toren auf dem rund 103 ha großen Stadtareal in der 2. Hälfte des 13.Jahrhunderts befestigt, das der Größe von Soest, Dortmund und Osnabrück entsprach.
Die städtische Verwaltung war damals ohne eine hierarchische Ordnung, nur dem „Bürger-eid“ verpflichtet, und hielt bis zum 17. Jahrhundert: Fast gleichgestellte Verantwortliche waren so die gewählten Ratsherren, die Stadtrichter, die Schöffen, der Stadtsyndikus, die Waagenlister, die Wein- und Bier-Schröder, Gildemeister u.a.

Reformation und Täufertum und -herrschaft

Im Zuge der Reformation bildeten sich ähnlich wie die Hutterer in den Niederlanden in der Gegend von Leyden die „Täufer“ als neue Glaubensgemeinschaft. Sie vertraten die revolu-tionäre Ansicht, vor allem Staat und Kirche trennen, ein friedliches Gottesreich auf Erden errichten, statt der Kinds- die Erwachsenentaufe einführen und die Gemeinschaft in Form der Vielehe ( Weg von der Einehe hin zur Poligynie ) versorgen und erhalten zu müssen. Ihr Anführer Jan van Leyden zog mit zahlreichen Gesinnungsgenossen in das tolerante Müns-ter, wo sich Anfang 1534 in wenigen Wochen rund ein Viertel der damaligen Einwohner = 1400 Personen sich zu den Täufern bekannten. Ende Februar 1534 wurden bei der turnus-gemäßen Ratswahl nur noch Bürger zu Ratsherren gewählt, die „Getaufte“ oder Sympathi-santen der neuen Bewegung waren. Das waren keine spontanen, sondern auf die Zukunft angelegte Aktionen.

Die Geschehnisse waren dem Bischof Franz von Waldeck, der außerhalb von Münster re-sidierte, ein Dorn im Auge und ließ deshalb die Stadt ständig, anfangs allerdings ohne Er-folg belagern. Dadurch fühlten sich die „Täufer“ in ihrem Eifer und Wiederstandswillen bes-tätigt und bestärkt, bewaffneten sich entgegen ihrer ursprünglichen Überzeugung, ernann-ten Jan van Leyden zum König, Bernd Knipperdollinck zu seinem Statthalter, Bernd Krechting zum Kanzler und leisteten mit Unterstützung aller Mitbürger ( ! ) bis zum 25. Juni 1535 erbitterten Widerstand. Der Bischof eroberte Münster zurück; eröffnet wurde nun die erbarmungslose und grausame Jagd auf die „Ketzer“ eröffnet und, die von den Täufern erhoffte Hilfe und Entlastung aus den Niederlanden und Friesland ausblieb. Hungersnot machte sich breit und lähmte den Widerstand. Insgesamt 27 van Leyden entsandte Missio-nare ( Aposteln ) passierten noch die Belagerungslinien und erreichten ihre Pflicht-Zielorte. Bis auf wenige erlitten viele Flüchtlinge den Märtyrertod oder wurden festgenommen und standrechtlich enthauptet. Von einem Flüchtling wurde berichtet, daß er dem Kölner Erzbi-schof ausgeliefert wurde und als Ketzer verbrannt worden ist.
Die gefangenen van Leyden, Knipperdollinck und Krechting wurden am 22. Januar 1536 über 4 Stunden mit glühenden Zangen zu Tode gefoltert und zur Abschreckung in den noch heute vorhandenen schmiedeeisernen Käfigen, am Lamberti-Kirchturm öffentlich zur Schau gestellt. Übrigens: Diese besonders grausame Hinrichtungsart und die anschließende Zur-Schau-Stellung der Deliquenten entsprachen den damals geltenden Strafrechtsvorschriften und üblicher Praxis.

Fazit dieser „dunklen Geschichte“ Münsters: selbst friedfertige, aber dem Katholizismus nicht entsprechende Lebensansichten wurden als ketzerisch verurteilt und mit aller Härte bekämpft. So auch der falsche Sprachgebrauch für diese Religionsrichtung: es handelte sich um ein „Täufertum“, nicht aber um ein „Wiedertäufertum“, da die überzeugten Men-schen nicht ein zweites Mal getauft wurden.

Der Westfälische Frieden 1648 in Münster/Osnabrück
Bedeutung für die Europäische Entwicklung

Der Westfälische Frieden brachte nicht nur das lang ersehnte Ende des Dreißigjährigen Krieges ( 1618-1648), sondern auch für die Zukunft die Gleichberechtigung der Konfessio-nen, stellte die deutschen Reichsstände unter die europäische Garantie und das Völker-recht und bestimmte das Geschehen bis zur französischen Revolution.

Auf schwedisches Ersuchen wurden Münster und Osnabrück zeitgleich noch während des Krieges schon 1641 zu Verhandlungsorten bestimmt, wobei das nicht von der Bedeutung, Größe und Einwohnerzahl dieser Städte abhängig war:

Der deutsche Kaiser Ferdinand III. wollte in Münster unter Vermittlung der römischen Kurie und der Republik Venedig über die Beendigung der Kämpfe zwischen Frankreich und Spanien und in Osnabrück mit den Schweden verhandeln. Die verschiedenen zahlreichen Abgesandten und Verhandlungsführer, die vielfach auf Portraits im Friedenssaal „verewigt“ sind, waren mit einem heute unvorstellbaren Troß (zeitweilig über 200 Personen ) beson-ders in den Adelshöfen in und außerhalb der Städte untergebracht.

Schwierig gestalteten sich die Verhandlungen, weil Vorschläge und Absichten mit den je-weiligen Regierungen abgestimmt sein mußten, zu denen es z.B. nach Wien und zurück bestenfalls 40 Tagesreisen dauerte. Das Hin und Her beherrschte die Verhandlungen, bis endlich der spanisch-niederländische Friedensvertrag am 30. Januar 1648 und der franzö-sisch-schwedische Friedensvertrag am 24. Oktober 1648, beide in Münster auch unter dem Beifall der Bevölkerung unterzeichnet wurde.

Nach anfänglicher Euphorie nahm „die Europäische Bewegung“ schon während der Frie-densverhandlungen erheblich ab, galt es doch, besonders den inneren Frieden zu schaffen. Das war in Westfalen die Aufgabe des Nachfolgers des Fürstbischofs Christoph Bernhard von Gahlen, der nach der Unterwerfung Münsters am 26. März 1661 am 19. September 1678 verstarb. Zeichen der Unterwerfung und Erhalt des Absolutismus war der Siegestaler, der auf der Vorderseite das fürstbischöfliche Wappen und auf der Rückseite eine Stadtan-sicht mit der Legende „Münster in Westfalen zum Gehorsam zurückgekehrt“ zeigte.

Im 18. Jahrhundert entwickelte sich Münster zu einem Zentrum der Künste, der Wissen-schaft, der Verwaltung und des gesellschaftlichen und religiösen Lebens. Nach der kurzen Napoleon-Besetzung ( 1806-1813 ), die wenig Einfluß auf Münster´sche Leben und Kultur hatte, wurde die Stadt Münster zu Beginn des 19. Jahrhunderts nach dem Wiederan-schluss an Preußen verpflichtet, die Rolle als Hauptstadt der Provinz Westfalens ( 1813-1835 ) zu übernehmen.

Bildung und Bildungsstätten

Der Grundstein für das Münster´sche Schloss auf dem Gelände der ehemaligen Zitadelle wurde kurz nach der Inthronisierung von Max Friedrich Graf von Königsee als Kurfürst von Köln und Fürstbischof von Münster am 26. August 1767 gelegt. Der bekannte fürstbischöfli-che Baumeister Johann Conrad Schlaun, der die Vollendung nicht mehr lebend erleben konnte, verwandte als Baustoff reichlich den Sandstein aus den nahen Baumbergen. – Die meisten historischen Bauwerke Münster´s sind mit Sandstein hergestellt, die bekanntlich über die Jahre so verwittern, dass sie die typische grau-schwarze Färbung aufweisen und früher oder später behandelt oder ersetzt werden müssen ( man siehe die dauernden Re-paraturen am Kölner Dom ). – Das Schloss beherbergt heute die Hauptverwaltung der Wil-helm-Universität.

Die Stiftungsurkunde für die katholische Westfälische Wilhelms-Universität ist datiert vom 28. Mai 1773. Der feierliche Einweihungsakt fand am 16. April 1780 in der Überwasserkir-che statt. Die ersten Fakultäten auf dem Weg zur „Voll-Universität“ waren selbstverständ-lich die kathologische Theologie und Philosophie. Es folgten 1773 die für Logik, Physik, Mathematik, 1774 die für Jura, 1792 für Medizin, und 1893 für Chemie und Pharmazie. Im Zuge der Säkularisierung ( Trennung von Kirche und Staat ) wurde in einer „hochschul-politischen Flurbereinigung die Uni 1818 aufgehoben und die Einstellung der Normalkurse 1826 verfügt. Nur aufgrund der Regelungen auf dem Wiener Kongreß 1815 und des Ver-sprechens des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm III zu einer Rheinland-eigenen nach ihm ( 1907 ) benannten Wilhelms-Universität wurde der Voll-Betrieb 1902 wieder aufgenommen.

Das älteste humanistische Gymnasium Deutschlands, das „Paulinum“, hat seinen Ur-sprung in Liudger´s Konventschule bzw. Domschule im Jahr 797. Anfangs leiteten Kleriker diese Schule, ihr auswärtiger Zulauf war von Anfang an beträchtlich: waren es 1588 rund 300 Schüler, zählte man 1592 schon 1.250 Schüler an diesem „Elite-Gymnasium“. Die in unmittelbarer Nähe des Neubaus der Schule und des Doms 1598 erbaute Petrikirche ist bis heute Gymnasialkirche.
1588 wurden die Jesuiten in Münster zugelassen, übernahmen wenig später die Schullei-tung und stellten den größten Teil der Lehrerschaft. Grundsätze der Lehrinhalte ist es, auf eine Formel gebracht, die „weise und beredte Frömmigkeit“ zu vermitteln. Es wurde peinlich darauf geachtet, den Lehrstoff penibel zu lernen. Erfolgskontrollen waren an der Tagesord-nung. Auch vielseitige Freizeitangebote sollten das soziale Verhalten und die Methodik als Voraussetzung für alle späteren Studiengänge nachhaltig fördern. Bei völliger Schulgeld-Freiheit gab es schon damals die Bildungschance für Jeden. Viele Jesuiten verloren 1773 ihren Lehrerstatus, da der Papst den Jesuitenorden für aufgelöst erklärt hatte. So gab es mehr und mehr „weltliche“ Lehrer an der Schule. In der Preußenzeit wurde das Paulinum 1872 verstaatlicht. Seit 1962 sind bedingt durch die sogenannten SBZ-Klassen aus der damaligen DDR auch Mädchen als Schülerinnen zugelassen. Heute hat das Paulinum, dem Zeitgeist folgend und angesichts der drastisch sinkenden Schülerzahlen, zusätzlichen einen Mathematischen und einen Musischen Zweig. Und die Schülerzahlen sind augenblicklich auch im alt-sprachlichen Grundzweig wieder erheblich gestiegen…

Das Paulinum bekam 1900 ein Parallel-Gymnasium, das evangelische Schiller-Gymnasium, das 1906 mit dem 1. Abitur 1906, im 100. Todesjahr Schillers dessen Namen erhielt. Der katholische Physiker und Chemiker Prof. Wilhelm Hittorf ( 1824-1914 ), 1871 zum Alt-katholzismus übergetretener glühender Verehrer Bismarck´s, war Namensgeber für das neu gegründete Hittorf-Gymnasium, das nach dem kriegs-zerstörten Paulinum bis zum Neubau in Wechselschichten den Paulinum-Betrieb aufrecht zu erhalten half. - Dr. Heinrich Hoffschulte, der aktuelle Landesvorsitzende NRW der Europa-Union ist übrigens externer Abiturient des Hittorf-Gymnasiums. -

Lothringer Chorfrauen kamen 1642 nach Münster und gründeten 1655 eine schulgeldfreie „Deutsche Schule“ für weibliche Jugendliche mit den Fächern Religion, Lesen, Schreiben, Rechnen und Handarbeiten. 1650 lernten dort rund 100 Schülerinnen. In die die schulgeld-pflichtige „Französische Schule“ gingen Pensionärinnen und sog. Höhere Töchter. Alle Schulen richteten sich nach den fürstbischöflichen Schulordnungen 1675, 1693 und 1739. Diese Schulen haben an Bedeutung verloren und ihr Betrieb wurde letztendlich eingestellt.
1872 wurden dann als erstes Mädchengymnasium der Stadt Münster die Annette-von-Droste-Hülshoff-Schule und 1897 die Schule des Klosters der „Schwestern von der Göttlichen Vorsehung“ im Mauritz-Viertel gegründet. Später folgte die evangelische Frei-herr-vom-Stein-Schule.


Die Schülerzahlen 1925

Gynasial-Schule Anzahl
Paulinum 601
Schillergymnasium 311
Städtisches Gymnasium u. Ratsgymnasium 792
( heute Ratsgymnasium )
Oberrealschule 809
Annette-Schule 710
Stein-Schule 483

1774 wurde auf Veranlassung von Kaiserin Maria Theresia die Allgemeine Schulordnung für die deutschen Normal-, Haupt- und Trivialschulen für sämtliche königlichen Erblanden erlassen. Danach war 1826 jede 6. der rund 500 katholischen Schulen im Regierungsbezirk Münster reine Mädchenschule.

Gebietsreform im 19. Jahrhundert

Im Zuge der Säkularisierung und der preußischen Gebietsreform wurde das Fürstbistum 1803 in vier Kreise aufgeteilt: Die Stadt Münster bleibt kreisfrei, der Kreis Münster mit den meisten Umlandgemeinden, der Kreis Warendorf u.a. mit den Gemeinden Warendorf ( ur-sprünglich im Kreis Lüdinghausen ), der Kreis Warendorf.

Städtebauliche Entwicklung

Verkehrssysteme

Nach dem Siebenjährigen Krieg ( 1756-1763 ) wurde 1764 auf preußische Anordnung die Stadtbefestigung geschliffen, Münster zu einer „offenen Stadt“. Aus der ringförmigen Befes-tigung sollte nach Vorstellungen von Johann Conrad Schlaun eine Promenade ( 4,5 km lang ) in Form einer vier-reihigen Lindenallee entstehen, die früher auch als Reitweg, heute auch als „grüne Lunge“ die willkommene Hauptverkehrsader für Radfahrer und Fußgän-ger rund um die Altstadt ist. Heute ist fast die ganze Innenstadt autofreie Zone, nur Busse sind gelegentlich zugelassen. Münster ist schon 1991 als Fahrrad- und Fußgänger- freund-lichste Stadt Deutschlands ausgezeichnet worden. Rund 270 km Radwege, dazu noch rund 255 km auf Wirtschaftswege sprechen für sich und laden zu ausgiebigen „Pättkes-Fahrten“ besonders in das meist flache Umland ein. An mehreren Stellen können „Draht-esel“ gemietet, in speziellen Garagen geparkt und in Extra-Waschanlagen vom Schmutz befreit werden.

1848 wird Münster durch eine Stichbahn nach Hamm an das Eisenbahnnetz angeschlos-sen. Der erste Schritt zum heutigen Knotenpunkt mit Bahnstrecken in acht Richtungen ist die Inbetriebnahme der durchgehenden Strecke Paris-Hamburg 1870. Ab 1888 wird der öffentliche Nahverkehr per Pferdebus betrieben, abgelöst 1901 durch die Straßenbahn, ergänzt schon nach dem 1. Weltkrieg durch Busse. 1954 wurde die Straßenbahn durch O-Busse ersetzt, die sich nicht bewährt haben. Seitdem der reine Busverkehr.

1899 wird der Dortmund-Ems-Kanal, der 269 km lang, über Münster mit Schleusenbetrieb führt, eröffnet. Der Münstersche Hafen, eingeweiht am 15. Oktober 1899, früher mit seinem Viertel „Klein-Muffi“ genannt und bekannt für seine regelmäßigen Lohntütenbälle, in dem die Malocher-Sprache zu Hause war, hat sich in den letzten Jahren zu einem attraktiven modernen Viertel „gemausert“. Der vormals gebaute Max-Klemens-Kanal, der für den An-schluss an die Niederlande sorgen sollte, stellte sich als Flop heraus und ward nicht mehr gesehen.

1901 wies die Stadt in der „Gelmerheide“ zwischen Ems und Aa erstmalig ein Gebiet zur Verrieselung zur „natürlichen“ Reinigung der städtischen Abwässer aus. Die Rieselfelder mussten immer mehr Abwasser aufnehmen und reinigen. Die Gesamtfläche wuchs zwangs-läufig bis in die 60-iger Jahr auf über 640 ha. Mit dem Bau der modernen biologischen Großkläranlage 1975 verloren die Rieselfelder ihre Funktion. Ornithologen und Naturschüt-zer, die bereits 1968 die Biologische Station „Rieselfelder Münster“ und zahlreiche Münsteraner sahen die große Gefahr der Trockenlegung und Fremdnutzung dieses Ge-biets. Mit derTeilfläche von heute 450 ha, vom Land NRW angepachtet und zur Verfügung gestellt, ist nun das Vogel- und Pflanzenparadies aus zweiter Hand gesichert. Schon 1978 erhielt dieses Gebiet das Prädikat „Europa-Reservat“ und ist heute Baustein des EU-Schutzgebietsnetzes NATURA 2000. Beobachtungspunkte entlang der Rundwanderwege bieten hervorragende Einblicke in die artenreiche Vogelwelt.

Hauskataster und –nummerierung

Nach der Erfahrung vorangegangener verheerenden Brandkatastrophen 1121 sollte eine Brandschutzversicherung künftige Feuerschäden regulieren. Voraussetzung war ein lücken-loses Haus- oder Grundstückskataster, das auch die Haus-Nummerierung beinhaltet. Ent-gegen der heutigen Praxis, die geraden Zahlen auf der rechten und die ungeraden auf der linken Straßenseite oder umgekehrt zu verwenden, sind die Häuser straßenweise durch-nummeriert, ähnlich wie damals in der Kölner Innenstadt mit dem bekannten Haus 4711.

Bevölkerungsstruktur

Vom 16. bis zum 19. Jahrhundert erhöhte sich von rund 10,000 ( bis 1591) 1834 auf rund 19.000, wovon rund 2.500 Militärs mit ihren Familien ausmachten. Heute zählt man im rund 302 qkm großen Münster rund 280.000 Einwohner und über 50.000 StudentInnen an 9 Hochschulen. Münster ist heute Oberzentrum für rund 1,5 Mio. Menschen aus dem Müns-terland und einer der fünf Regierungssitze in NRW. Bedingt durch die geschichtliche Ent-wicklung ist Münster eine überwiegend Behörden-, Verwaltungs-, Handels- und Gewerbe- und Garnisionsstadt mit überwiegend landwirtschaflich ausgerichtetem Umland und mit ent-sprechender Bevölkerungstruktur. Man zählt heute rund 151.000 Beschäftigte und 66.000 Einpendler.

Auswahl aus der Kulturwelt

Zu den bedeutendsten und heute noch einflussreichen Vereinigungen gehören:
1557 wurde kurz nach der Täuferzeit die erste Schützenbruderschaft „aus der Taufe ge-hoben“. Im 18. Jahrhundert wurden die bis heute einflussreichsten gesellschaftlich-beruflichen Vereinigungen gegründet mit auch heute noch fast ausnahmslos männlichen Mitgliedern:
1775 der „Civilclub“,
Mitglieder mit Abstammung aus fürstlich-beamteten, juristischen und akademischen Famili-en
1778 die Freimaurerloge „Friedrich zu den drei Balken“,
beeinflusst von englischen und französischen Großlogen
1796 der „Zwei-Löwen-Club“
Mitglieder aus heimischen Adelsfamilien

Zu den Perlen des Münsterlandes gehören bekanntlich die Burg Hülshoff, bekannt durch die hier geborene Dichterin Annette von Droste-Hülshoff, mit sehenswertem Schlosspark, die malerische Burg Vischering und dem „westfälischen Versailles“ das Schloss Neukir-chen

Die Gemeinde Wolbeck im südlichen Münster hat ihren Namen von Waltbicke-Balbecke-Wolbeck, also von Wald + Wasser. Die Siedlung am Waldbach mit dem rund 1.100 Morgen großen Wald- und Jagdgebiet, dem Tiergarten und den schützenden Burgmannshöfe war im Mittelalter der Residenzort der Münster´schen Fürstbischöfe, Von den damaligen Anla-gen ist heute nur noch der Drostenhof erhalten.

Die Lambertus-Feier um den Brunnen an der Stadtkirche geht auf das 18. Jahrhundert zurück, an der sich alljährlich hauptsächlich die Hausgenossen, Mägde und Arbeitsgesellen nach dem Umzug von Kirchspiel zu Kirchspiel – von Viertel zu Viertel -, von den dortigen extra geschmückten Pyramiden aus, vergnügten.

Die Münsteraner feiern seit der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts bis heute einmal im Jahr am „Guten Montag“ zum Dank an die Bäckerinnung, dass die „deutschen Bäcker“ der Legende nach anlässlich der Belagerung Wien´s durch die Türken die „deutschen“ Bäcker mit ihren Backwaren Wien retteten.

Der Send ist die erste urkundlich am 7. Oktober 899 belegte mehrtägige Synode, die im Frühjahr und Herbst als Doppelveranstaltung die Versammlung des Klerus´und der Laien unter Vorsitz des Bischofs und den Jahresmarkt mit zahlreichen Vergnügungen vereinigte. Das „Sendschwert“, das erst seit 1678 im Herbst sichtbar am Rathaus aufgesteckt wird, war damals das Symbol für besondere Freiheiten: Danach konnte jeder Bürger und fremde Kaufleute ihr Waren feilbieten. Alle Gerichtsverfahren ruhten während dieser Zeit. Heutzu-tage findet der Send nur als großer Jahrmarkt auf dem Hindenburgplatz statt.

Alljährlich wetteifern SchülerInnen im Herbst beim Laternenfest um die Preise für die schönsten und prächtigsten selbst gebastelten Laternen, die an den Arkadenbögen zur Prämierung aufgehängt werden.

Kulturelle Einrichtungen

Der Allwetterzoo in der Nähe des Aasees hat den ursprünglich von Prof. Hermann Landois gegründeten Zoo ersetzt.

Das Mühlenhof- Freilichtmuseum Münster als Museum bäuerlicher und handwerklicher Kultur im Münster- und Emsland zu schaffen, war die Idee des damaligen Verkehrsdirektors Theo Breider ( 1903-1993). Es liegt in unmittelbarer Nähe des Aasee-Westufer. 1959/60 gegründet, wurde das Museum mit dem Wiederaufbau de Bockwindmühle aus dem Ems-land eröffnet. Träger ist bis heute der 1963 gegründete gemeinsnützige Verein „De Bock-windmüel“ e.V, in dem einige Münster´sche und westfälische Kaufleute, Handwerker, Be-triebe, Schulen und Vereine initiativ sind. Über 30 große und kleine Bauten sind bis heute nach hier versetzt oder rekonstruiert worden und zeugen anschaulich vom früheren Leben und Arbeiten der Region. Dort hat mit dem Blick auf den Aasee auch der Spökenkieker sein Bronze-Denkmal bekommen: Spöken kommt von Spuk und Kieker von Gucken. Der Spö-kenkieker, Mensch mit „zweitem Gesicht“ ist also eine Art Weissager, Warner, Zukunfts-deuter. Spökenkieker ist heute ein Synonym für Pessimisten und Schwarzseher. Vereins-mitglieder führen gern als ehrenamtliche Kiepenkerle durch das Museum.

Der Botanischer Garten gleich hinter dem Schloss, betreut von der Wilhelm-Universität, ist besonders nach der neuerlichen Umgestaltung, die die Entwicklungstufen der Pflanzenwelt in Themengärten und –beeten anschaulich betont, Publikumsmagnet für Naturfreunde.

Mehrere Schauplätze in Münster dienen als regelmäßige Locations für ARD-„Tatort“-Drehs..

Gebräuchliches Essen und Trinken

Neben dem „Münster´schen Alt“ aus den Privatbrauereien ist als eine der zahlreichen Be-sonderheit das „Pumpernickel“ bekannt. Pumpernickel ist ein traditionelles westfälisches tiefbraune Vollkornbrot aus Roggenschrot, das mehr gedämpft als gebacken wird. Es ist leicht süßlich im Geruch und Geschmack, sehr kompakt, feucht und etwas brüchig, weil keine Treibmittel wie Sauerteig oder Hefe verwandt werden. Heute wird in einem verkürzten Verfahren Sauerteig, Hefe und Malz und für die wenig karamellisierte Stärke Zuckerrübensi-rup zugegeben. Pumpernickel ist außerordentlich lange haltbar, in Folien eingeschweißt mehrere Monate, in Dosen bis zu 2 Jahren. Die Herkunft der Bezeichnung ist bis heute ein-fach nicht eindeutig geklärt: eine Version spricht von Pumpernickel als „einem furzenden Nikolaus“ wohl als Schimpfwort für einen „groben Flegel“. Pumper ist ein sauerländischer Verweis auf die blähungstreibende Wirkung von Vollkornbrot. Nickel steht regional für Ei-genbrötler oder „komischer Kauz“. Seit dem 17. Jahrhundert ist Pumpernickel eine spötti-sche Bezeichnung für Kommissbrot. „Welch armes Volk, das seine Erde essen muss.“ Der weit verbreiteten Legende nach soll der Name auf Soldaten Napoleons zurückgehen, die diese Brot nur für „bon pour Nickel“, als gerade noch gut genug für Napoleons Pferd „Nickel“ erklärt hätten.

Sportliche Einrichtungen, Veranstaltungen

In der ehemaligen „Reiterkasene“ an de Steinfurter Straße ist heute die Westfälische Reit- und Fahrschule untergebracht. Die Freiluft-Reitveranstaltungen, die vormals jährlich im Herbst auf der Holt´schen Wiese in der Nähe der Aa und an der Promenade zahlreiche Reiter und Besucher anzogen, sind jetzt auf den Platz vorm Schloss „umgezogen“, zuletzt verbunden mit den Deutschen Meisterschaften im Juli 2006 ). Handorf ist u.a. Sitz des O-lympischen Kommiteés für Reiterei, wo auch die lebensgroße Statue der legendären „Halla“ des Weltmeisters Hans-Günter Winkler steht, der 80-jährig in seinem Heimatort Wa-rendorf lebt. In Warendorf ist auch das Westfälische Landgestüt zu Hause.

Zu den meist im Münsterland genannten „skurrilen“ und „phantastischen“ Personen gehören Prof. Hermann Landois und der „Tolle Bomberg“. Diese Personen waren im wahren Leben gebildete über die Grenzen Westfalens hinaus, besonders bei der Bevölke-rung und in ihrem Beruf hoch angesehene ernstzunehmende Persönlichkeiten, die zu ihrer Zeit nicht „stromlinienförmig“ tickten, sondern gelegentlich als Querdenker und in aufsässi-scher Art stets ihren eigenen „sturen“ Stil verfolgten, der den Oberen und „Wichtigtuern“ wenig gefiel. So wurden Prof. Landois als „spleeniger“ Wissenschaftler und der preußische Offizier und Hochadelige Giesbert Graf von Romberg als der „tolle Bomberg“ ( „Dat was´n verückten Hund !“ ) bis heute in zahlreichen Erzählungen, Balladen, Schauspielen, Büchern und Filmen als „Spinner“ verunglimpft. Erst allmählich neigen die Historiker zur notwenigen gerechten Entmythologisierung .

Auszeichnungen der Stadt

2004 wurde Münster als die kinderfreundlichste Stadt Deutschlands, mit dem LivCom-Award der UNEP als weltweit lebenswerteste Stadt ausgezeichnet worden und seit 2004 auch unter den „Top Ten“ der „reformfreudigsten Städte Deutschlands“ zu finden. 2004 hat Münster seine Bewerbung als Kulturhauptstadt Europa´s 2010 abgegeben.