Stadtwerdung und -entwicklung
Nach der Eingliederung Galliens und der Gebiete bis zum Rhein in das römische Weltreich im 1. Jh.v.Chr. wurde Jülich als römische Straßenstation Civis ( Ansiedlung ) Juliacum an einer Verengung des damals schwer zu passierenden Rurtals auf einer hochwasserfreien bis nahe an die Rur reichenden Landzunge des Talrandes gegründet, eine Tagesreise vom Ausgangspunkt der römischen Hauptstraße in Köln entfernt.
Die römische Hauptstraße Jülich-Maastricht-Boulogne-sur-Mer (an der Kanalküste ) verlief, durch graue Natursteine im Pflaster angedeutet, schräg über den heutigen Markt-platz etwa 3m unter dem jetzigen Niveau. Am alten Rathaus querte sie ein Sumpfgebiet oder Bachbett und verlief weiter unter der Kleinen Rurstraße und dem Hexenturm entlang zum Rur-Übergang. Die überhöhte Lage des Marktplatzes und das Gefälle der meisten an-schließenden Straßen erklären sich aus der Jahrhunderte langen Anhebung des Bodeniveaus durch Kulturschuttablagerungen, stellenweise bis zu 5m hoch.
356 v.Chr. wird Jülich erstmals Jülich anlässlich eines Gefechts zwischen Truppen Cäsar Julians ( Apostata ) mit fränkischen Kriegern erwähnt. Germanische Beutezüge führten um 310 zum Bau der ersten römischen Befestigung, die den Untergang des römischen Herr-schaft Mitte des 5. Jh. Überstand und eine fränkische Ansiedlung begründete. Hier hatten auch die Jülicher Grafen, ursprüngliche königliche Beamte, die seit etwa 900 das Amt erblich machten, ihren Sitz. Jülich wird 927 urkundlich als „Feste“ erwähnt.
Das Inschriftenfragment auf dem Sockel einer Jupitersäule aus dem 2. Jh. im Stadtge schichtlichen Museum Jülich ist bislang der einzige Beleg, in dem in römischer Zeit die Einwohner Jülichs mit ihrem Namen fassbar werden
Die Geschichte der Stadt, die im 5. bis zum 9. Jh. Hauptort des Jülich-Gaues war, ist ohne ohne Blick auf die Politik der Grafen, ab 1356 Herzöge, nicht verständlich. Kriegerische Unternehmungen, finanzielle Mittel und geschickte Heiraten wurden je nach Lage des Machtbereichs eingesetzt. So kam es z.B. zum Besitz großer Gebiete in de Eifel mit erheb-lichen Einkünften vor allem aus dem Bergbau. Viele deutsche Könige nahmen von den Jülicher Grafen Darlehen u.a. für Krönungskosten in Aachen und mussten dafür Reichsgut, so 1248 die Reichsstadt Düren verpfänden.
Nicht immer agierten die Jülicher Grafen erfolgreich. „Falsche Parteinahmen“ bei Thron-Streitigkeiten hatten zweimal die Zerstörung Jülichs 1114 durch Kaiser Heinrich V. und 1214 durch den König und späteren Kaiser Friedrich II. zur Folge. Graf Wilhelm IV. erhob gegen die Oberherrschaft der Kölner Erzbischöfe Jülich 1234 zur Stadt. Folge: Erzbischof Konrad nimmt Jülich 1239 ein und zerstört die Stadt. In späteren Kämpfen wurden zwei Kölner Erzbischöfe gefangen worden um in Nideggen im Burgverlies eingekerkert. Als 1278 Wilhelm IV. bei einem Aufruhr erschlagen wurde, wurde Jülich nochmals vom Erzbischof Siegfried zerstört.
Das Stadtsiegel um 1230 zeigt das erste Stadtwappen mit einer zinnenbewehrten Mauer mit zwei Türmen und einem Stadttor, in dem der Löwenschild des Jülicher Grafen Wilhelm IV. steht. Das heutige Stadtwappen ist zweigeteilt: der aufsteigende Jülicher Löwe auf der linken, ein Stadtmauermotiv auf der rechten Hälfte.
Durch den Sieg Graf Walrams bei Worringen 1288 wurde aber Jülichs Unabhängigkeit endgültig gesichert. Kurz nach 1300 erhielt Jülich eine neue Stadtmauer, von der heute noch das Rurtor ( Hexentor ) als ältestes Jülicher Bauwerk erhalten ist. Diese Stadtmauer beschützte Jülich über 250 Jahre. Dabei wuchs der Machtbereich der Grafen und Herzöge ständig. durch Heiraten und Erbfolge kamen die Gebiete Berg, Ravensberg, Kleve, Mark und zeitweise Geldern hinzu. Bevorzugte Herrschersitze waren aber Nideggen, Hambach, Kaster, Nimwegen, Düsseldorf und Kleve.
Schwere Brände suchten Jülich 1473, 1512 und 1547 heim. Ein völliger Neuaufbau der Stadt stand 1547 an, ebenso die „Ertüchtigung“ der veralteten Stadtmauern. Der bekannte und in den Niederlanden schon erfolgreiche italienische Militär- und Zivilbauarchitekt Alessandro Pasqualini wurde für den Bau einer ideal gestalteten Hochrenaissancestadt nach italienischem Muster mit Residenzschloss und den Rundherum-Verteidigungs-Festungsbau Jülichs auf einer rund 90.000 qm großen Grundfläche verpflichtet.
Die Gesamt-Konzept Pasqualini´s sah ein planvolles System von Straßenzügen
als kür-zeste Transportwege, geraden Sichtachsen und breiten Schussschneisen,
ohne Feinden Deckung gewährenden Erker und Hauseingängen vor, ausgerichtet
nach dem sie umfassenden Fünfeck-Stadtbefestigung, deren fünfte Ecke
die Zitadelle bildete.
Diese verwirklichte Konzeption mit fast quadratischer Zitadelle und Stadtschloss,
mit Stadt-befestigung und Ideal-Stadtanlage haben die nächsten 300 Jahre
mit allen Wechseln der politischen Verhältnisse überdauert. Ende des
17. Jh. wurde die Festung ausgebaut und später noch durch Außenwerke
erweitert. Napoleon I. ließ die Forts am Westufer der Rur und auf der
Merscher Höhe bauen. 1860 wurde die Festung Jülich wegen der fortschrittlichen
Militärtechnik bedeutungslos: die heute noch in Resten erkennbaren Bastionen
und Wälle der Stadtbefestigung wurde bei einer Belagerungsübung des
preußischen Heeres „geschleift“. Nur die Zitadelle blieb fast
vollständig erhalten.
Am Donnerstag, den 16. November 1944, warfen 467 alliierte Bomber 127,620 Brand- und Sprengbomben on 15.28-15.50 Uhr über Jülich ab und machten Jülich fast gänzlich dem Erdboden gleich.
Der Mythos, die Jülicher Festung sie der trotz viermaliger Einnahme der Festung 1610, 1622, 1794 und 1814 auch noch im 2. Weltkrieg uneinnehmbar, war, so meinen Historiker, nicht der Grund für diese gnadenlose Zerstörung im November 1944. Die von den Engländern und Amerikanern getragene Operation „Queen“ hatte das Ziel, im Vorfeld des Vor-stoßes Richtung Rhein den Bodentruppen den Weg frei zu bomben. Die Städte Düren, Jülich und Heinsberg mit ihren wichtigen Rur-Übergängen standen dabei wegen ihrer geostrategischen Lage im Visier der Alliierten. Das Flächen-Bombardemant sollte die Verteidigung ausschalten, zumindest brechen. Diese Rechnung ging nicht auf: der Kampf an der „Rur-Front“ wurde für die Allierten zur verlustreichsten des II. Weltkriegs. Das wurde anlässlich der Gedenkfeier der Stadt Jülich am 16. November 2004 mehr als deutlich.
Nach den Plänen des Aachener Professors René von Schöfers wurde Jülich nach dem Krieg wieder aufgebaut: auf dem damals 400 Jahre alten, aber heute noch voll funktionsfähigen Grundriss der Idealstadt von Alessandro Pasqualini. Es dominieren heute wieder die prägenden Merkmale der Renaissancestadt mit dem Marktplatz in der geometrischen Mitte, mit den geraden, breiten Straßen, den glatten traufständigen Fassaden und den einheitlichen Dächern und Einzelgauben die historische Jülicher Innenstadt ( s. Foto Nr. 042 ).
Stadtgröße, Bevölkerung
Rund 90,4 qkm inklusive rund 2,6 qkm Gewerbeflächen
Zur Zeit leben in der Kernstadt rund 16.000, in den umliegenden Stadtteilen
rund 17.000 Einwohner. Die Frauenquote beträgt rund 50 %.
Religionsgemeinschaften
Die älteste Nachricht aus 1348 ist der erste Hinweis über die ersten
angesiedelte Juden im Jülicher Land. Herzog Wilhelm IV hatte 1226 von König
Heinrich VII das Judenprivileg erhalten, wonach Juden die Genehmigung zur Schutzgewährung
gegen einträgliche Ge-bühren erhalten konnten. Die entsprechende Synagoge
ist nicht mehr vorhanden, jedoch der dazu gehörige Friedhof an der Linnicher
Str.
Nach der offiziellen Gründung einer lutherischen und einer reformierten Gemeinde 1610 wurde 1745 die Christus-Kirche gebaut.
Heute sind rund 90% der Einwohner katholisch
Besondere Jülicher Sehenswürdigkeiten
Von der Stadt aus Zutritt zur Zitadelle als Renaissance-Festung der Herzöge von Jülich über die moderne „Pasqualini-Brücke“ ( 1993 ) und durch das Südtor ( Tortunnel ), von Norden über den 1860 aufgeschütteten Damm und das Nordtor.
Schwanenteich
außerhalb des früheren Festungsgürtels inmitten von Feuchtwiesen
zum Wäschebleichen angelegt, diente einst als Fischweiher und Pferdetränke
Festungsanlagen mit Kasematten, Wallanlagen und Kanonenhöfen
Die Bastion St. Jakob ist mit seinen unterirdischen Kasematten komplett erhalten,
die heute als Geschäfte genutzt werden. Das Pulvermagazin stammt aus der
napoleonischen Zeit und hat musealen Charakter. Ein Rundgang auf dem Oberwall
mit den Bastionen St. Salvater, Maria Anna und Wilhelmus ist empfehlenswert.
Hexenturm
wurde als Gefängnis und während der Hexenverfolgung im 16. Jh. selten
als Hexenverließ genutzt, da auch der herzögliche Leibarzt Johannes
Weyer zu dieser Zeit vehement gegen den europaweit verbreitete Hexenwahn kämpfte.
Der „Napoleonische Brückenkopf“ wurde im Zuge der LAGA Jülich 1998 restauriert.
Das Aachener Tor gilt als das erste Renaissance-Tor im Rheinland, von dem nur noch der äu0ere Torbogen erhalten ist.
Forschungzentrum Jülich GmbH
Träger des Zentrums sind die Bundesrepublik Deuschland zu 90% und das Land
NRW zu 10 %. Das jährliche Budget beträgt rund 360 Mio. €.
Aktuelle Forschungsarbeiten
Informationen
Internet-Seiten www.tagderneugier.de
Forschungsvorhaben „Kernfusion“ wird gleich gesetzt mit „
Das Sonnenfeuer auf die Erde zu holen“. So das Forschungsvorhaben des
Instituts für Plasmaphysik.
In Zusammenarbeit mit dem Forschungszentrum erarbeitete der Leistungskurs Physik
des Gymnasiums Zitadelle originelle Internet-Seiten zur Kernfusion:
www.zitadelle.juelich.de/fusion/.
Projekt TEXTOR
Zusammen gesetzt aus den Worten Torus Experiment for Technology Oriented Re-search
Projekt ITER
Zusammen gesetzt aus den Worten International Thermonuclear Experimental Reactor
Als Standort für den Bau des Experimental-Reaktors ist das Forschungsgelände
in Carda-che nahe Aix-en-Provence ( Frankreich ) vorgesehen.
Technologiezentrum Jülich GmbH am Brückenkopf im Park Jülich
Fachhochschule Aachen Abteilung Jülich
