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Liebe Europa-Freundinnen,
liebe Europa-Freunde,
ich kann es bald nicht mehr hören
und sehen; schon seit Monaten überschütten uns die Medien mit negativen
Nachrichten über die EU-Schuldenkrise. Bekanntlich können permanent
andauernde Negativmeldungen Krisen noch übermäßig verstärken.
Einzige Profiteure dabei sind institutionelle und private Zocker an den internationalen
Börsen. Oft bringen sie zusätzliche Gerüchte in Umlauf um Börsenkurstrends
nach ihrem Belieben zu manipulieren. Das Ergebnis im Fall der EU-Krise ist,
dass viele verunsicherte EU-Bürger wegen einer befürchteten Hyperinflation
um ihre Ersparnisse bangen.
Den weiteren Zusammenhalt der EU aber nur auf die Probleme der derzeitigen Finanzkrise
zu reduzieren, halte ich für absolut kurzsichtig und fatal. Denn vergessen
wir nicht das politisch Erreichte, mit der großen Zahl an zwischenstaatlichen
Errungenschaften, die man sich nach dem 2. Weltkrieg nicht im Traum hätte
vorstellen können.
Zugegeben, Griechenland hatte sich den Eintritt in die Euro-Zone mit Buchhaltungstricks
in den Staatshaushaltsbilanzen erschlichen. Über ihre finanziellen Verhältnisse
haben bisher aber bestimmt nicht die griechischen Normalbürger gelebt,
sondern die Politiker mit ihrer oft korrupten Administration, die bis jetzt
nicht fähig ist, gerechte Steuern, insbesondere bei den Reichen des Landes,
anzusetzen und deren ins Ausland verschobenes unversteuertes Vermögen einzutreiben.
Ich meine, nun nach Bildung einer neuen vertrauenswürdigeren griechischen
Regierung, sollte Solidarität angesagt sein, und zwar insbesondere mit
den griechischen Normalbürgern, die die nächsten Jahre unter der desaströsen
wirtschaftlichen Situation sowieso am meisten leiden müssen.
Denken wir mehr politisch und geschichtlich an unsere Vergangenheit nach dem
2. Weltkrieg, in der wir als „Geächtete“ relativ schnell in die europäische
Völkergemeinschaft wieder aufgenommen und mit Staatskrediten bis hin zu
„Care-Paketen“ aus den USA unterstützt wurden. Und erinnern wir uns auch
an die deutsche Wiedervereinigung vor 20 Jahren, die uns Deutsche fast 2 Billionen
Euro gekostet hat und über den Solidaritätsbeitrag bis zum heutigen
Tag weiter finanziert wird. Hier haben wohl die meisten von uns Deutschen aufgrund
ihrer nationalen Identität diesen Solidaritätsbeiträgen auch
aus ihrem Herzen zugestimmt. Unsere derzeitige Staatsverschuldung von annähernd
2 Billionen Euro entspricht also in etwa unseren Wiedervereinigungskosten, und
wir schultern trotzdem, nur aufgrund unserer Exportstärke, diese ungeheuer
hohe finanzielle Belastung relativ gut, ohne bisher dabei Bankrott gegangen
zu sein. Notwendig ist es aber, dass ab sofort alle EU-Regierungen ihre Staatschulden
in dem Maße reduzieren, am besten durch mehr Kontrolle durch die EU-Kommission,
damit unsere nachfolgende Generation nicht den Bankrott anmelden muss, den wir
leichtsinnig in die Wege geleitet haben.
Andere EU-Länder haben bei weitem nicht so entwickelte Industrien und sind
folglich wesentlich „strukturschwächer“, was nicht nur auf Misswirtschaft
beruht, wie es viele populistische Politiker propagieren.
Gerade deshalb sollten wir alle in unserer europäischen Staatengemeinschaft
mehr Solidarität untereinander zeigen, bei der wir auch endlich eine entsprechende
europäische Identität entwickeln. Eine Gemeinschaft von 17 Euro-Ländern
sollte mit guten Willen und ohne zuviel Eigennutz in der Lage sein momentane
und zukünftige Probleme und Krisen wie die der Griechen gemeinsam zu lösen.
Für ein geeintes Europa, als politische, wirtschaftliche, soziale und solidarische
Staatengemeinschaft gibt es keine Alternative!
Ihr/Euer Bernd Schiefer
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